Greenpeace-Show "Grüner Planet"

Interview mit Markus Mauthe

Wie bist du Fotograf geworden und wie kam die Zusammenarbeit mit Greenpeace zustande?
Schon als Kind habe ich mich für Natur begeistern können. Als ich später den Beruf des Fotografen für mich gewählt habe, war sehr schnell klar, dass ich mich auf die Naturfotografie konzentrieren möchte. Ich begann die Welt zu bereisen und mit den heimgebrachten Fotos Diavorträge zu produzieren, die ich dann einem interessierten Publikum in ganz Deutschland vorführte. Auf Reisen sieht man viele wunderbare Dinge, die das Leben bereichern. Das Schärfen der Sinne durch die zahlreichen Erfahrungen hat jedoch zur Folge, dass man auch die negativen Entwicklungen sehr genau wahrnimmt. Im Bereich Umweltzerstörung laufen weltweit derart viele unglaubliche Entwicklungen ab, dass ich fast zwangsläufig bei einer Organisation wie Greenpeace gelandet bin. Ich habe mich ganz normal mit einer Projektidee innerhalb der Wald-Kampagne bei Greenpeace beworben, was nun, drei arbeitsreiche Jahre später, in dieser Vortragstournee mündet.


Markus Mauthe in Zentralafrika
© Mauthe


Kannst du nach deinen Reisen sagen, welche Region der Erde für dich am wichtigsten war zu dokumentieren?
Begonnen hat alles mit einer Reise nach Zentralafrika, in die Länder Kamerun, Gabun und die Zentralafrikanische Republik. Sie liegen im Kongobecken, dem nach Amazonien zweitgrößten tropischen Urwaldgebiet der Welt. Ein wichtiger Teil der Arbeit von Greenpeace ist es, mit Hilfe moderner Medien die Menschen auf Probleme hinzuweisen. Nun gab es bislang fast kein Bildmaterial aus dieser Region, was dazu führte, dass ich hier dringend das Greenpeace Bildarchiv zu füllen hatte.
Es sollte die wunderbare Tier- und Pflanzenwelt fotografiert werden, aber natürlich auch die Kehrseite der Medaille. Afrikas Wälder fallen unglaublich schnell den Kettensägen großer Konzerne zum Opfer, die auf Kosten der einheimischen Bevölkerung deren Naturschätze plündern, was wiederum zu dramatischem Rückgang der dortigen Tier- und Pflanzenwelt führt. Aber diese Strukturen findet man in ähnlicher Form auf allen Kontinenten vor. Insofern waren alle Regionen wichtig.

Was waren deine schönsten Erlebnisse auf diesen Reisen?
Natur, wie ich sie erleben durfte, überrascht immer wieder in ihrer Vielfalt und Schönheit. Unvergesslich sind die Eindrücke der endlosen Wälder der sibirischen Tundra, die im September in herbstlichem Gewand erstrahlen. Oder eisbedeckte Berggipfel, die aus den immergrünen Regenwäldern Patagoniens empor steigen. In Papua Neuguinea bin ich mit einer ganzen Dorfgemeinschaft auf einen 2500 m hohen Vulkan gestiegen, und in Zentralafrika nahm ich Teil an einer 16-tägigen Expedition zu Inselbergen mitten im Regenwald. Oft sind es auch spontane Begegnungen mit den Menschen, die solche Reisen wertvoll machen, sei es ein Lächeln im Vorbeigehen, ein kurzes Gespräch oder eine gemeinsame Tasse Tee.

War es stellenweise nicht auch sehr gefährlich, durch die Urwälder zu wandern?
Gefahr geht meist von Menschen aus. Man weiß nie, wie Holzfäller reagieren, wenn man sie während ihrer Arbeit beobachtet oder fotografiert. Wenn man in der Natur gewisse Regeln beachtet, eine gesunde Distanz zu Tieren hält und seine körperlichen Grenzen kennt, kann man Risiken zumindest einschränken. Die Gefahr, von Tropenkrankheiten befallen zu werden, sollte man nicht jedoch nicht unterschätzen. Nach meiner Rückkehr aus Papua Neuguinea hatte ich mir trotz aller möglichen Impfungen eine Wurmkrankheit zugezogen, von der ich bis heute nicht weiß, ob sie zu 100 Prozent ausgeheilt ist.

Wie reagieren die dort lebenden Menschen auf einen Fotografen, der für Greenpeace arbeitet?
Das könnte unterschiedlicher nicht sein. Man kann sagen, je nach Interessenlage der Betroffenen. In Patagonien war ich Teil einer Greenpeace-Kampagne, in der es darum ging, ein großes Aluminiumwerk zu verhindern. Dieses Werk hätte eine große Luftverschmutzung verursacht und eine Umsiedlung von Farmerfamilien zur Folge gehabt. Dementsprechend positiv waren die Reaktionen der Bevölkerung auf die verschiedenen Aktionen der Aktivisten. Hätte ich mein Greenpeace T-Shirt allerdings bei einer Fotoreportage im afrikanischen Urwald angehabt, wo es mir gelang, die dortigen Holzfäller für zwei Tage bei ihrer Arbeit zu begleiten, würde es diese Multivision mit mir als Referenten heute wohl nicht geben.

Kam deine Dia-Show beim Publikum überall so gut an wie hier in Stuttgart?
Ich war mit dieser Multivision in über 70 Städten mit den unterschiedlichsten Saalgrößen. Die Zuschauer waren immer begeistert und beeindruckt. Der Rekord war gestern in Dresden mit 500 Gästen. Stuttgart war der vorläufige Abschluss der Tour, und ich muss sagen, es war ein schönes Erlebnis, zum Schluss noch mal ein volles Haus gehabt zu haben und dabei 25 Greenpeace-Fördermitglieder gewonnen zu haben. Ich danke dem Lindenmuseum und der Greenpeace-Gruppe Stuttgart, die diese Veranstaltung hier möglich gemacht haben.

Das Interview mit Markus Mauthe führte Bernhard Lehr vom Arbeitskreis "Wälder" der Greenpeace-Gruppe Stuttgart.

Ab März 2006 tourt Markus Mauthe mit seiner Multivision-Show "Grüner Planet" wieder durch Deutschland. Die nächsten Orte und Termine finden Sie hier...



Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 13.02.2006