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Kannst du nach deinen Reisen sagen, welche Region der Erde für
dich am wichtigsten war zu dokumentieren?
Begonnen hat alles mit einer Reise nach Zentralafrika, in die Länder
Kamerun, Gabun und die Zentralafrikanische Republik. Sie liegen
im Kongobecken, dem nach Amazonien zweitgrößten tropischen
Urwaldgebiet der Welt. Ein wichtiger Teil der Arbeit von Greenpeace
ist es, mit Hilfe moderner Medien die Menschen auf Probleme hinzuweisen.
Nun gab es bislang fast kein Bildmaterial aus dieser Region, was
dazu führte, dass ich hier dringend das Greenpeace Bildarchiv
zu füllen hatte.
Es sollte die wunderbare Tier- und Pflanzenwelt fotografiert werden,
aber natürlich auch die Kehrseite der Medaille. Afrikas Wälder
fallen unglaublich schnell den Kettensägen großer Konzerne
zum Opfer, die auf Kosten der einheimischen Bevölkerung deren
Naturschätze plündern, was wiederum zu dramatischem Rückgang
der dortigen Tier- und Pflanzenwelt führt. Aber diese Strukturen
findet man in ähnlicher Form auf allen Kontinenten vor. Insofern
waren alle Regionen wichtig.
Was waren deine schönsten Erlebnisse auf diesen Reisen?
Natur, wie ich sie erleben durfte, überrascht immer wieder
in ihrer Vielfalt und Schönheit. Unvergesslich sind die Eindrücke
der endlosen Wälder der sibirischen Tundra, die im September
in herbstlichem Gewand erstrahlen. Oder eisbedeckte Berggipfel,
die aus den immergrünen Regenwäldern Patagoniens empor
steigen. In Papua Neuguinea bin ich mit einer ganzen Dorfgemeinschaft
auf einen 2500 m hohen Vulkan gestiegen, und in Zentralafrika nahm
ich Teil an einer 16-tägigen Expedition zu Inselbergen mitten
im Regenwald. Oft sind es auch spontane Begegnungen mit den Menschen,
die solche Reisen wertvoll machen, sei es ein Lächeln im Vorbeigehen,
ein kurzes Gespräch oder eine gemeinsame Tasse Tee.
War es stellenweise nicht auch sehr gefährlich, durch die
Urwälder zu wandern?
Gefahr geht meist von Menschen aus. Man weiß nie, wie Holzfäller
reagieren, wenn man sie während ihrer Arbeit beobachtet oder
fotografiert. Wenn man in der Natur gewisse Regeln beachtet, eine
gesunde Distanz zu Tieren hält und seine körperlichen
Grenzen kennt, kann man Risiken zumindest einschränken. Die
Gefahr, von Tropenkrankheiten befallen zu werden, sollte man nicht
jedoch nicht unterschätzen. Nach meiner Rückkehr aus Papua
Neuguinea hatte ich mir trotz aller möglichen Impfungen eine
Wurmkrankheit zugezogen, von der ich bis heute nicht weiß,
ob sie zu 100 Prozent ausgeheilt ist.
Wie reagieren die dort lebenden Menschen auf einen Fotografen,
der für Greenpeace arbeitet?
Das könnte unterschiedlicher nicht sein. Man kann sagen, je
nach Interessenlage der Betroffenen. In Patagonien war ich Teil
einer Greenpeace-Kampagne, in der es darum ging, ein großes
Aluminiumwerk zu verhindern. Dieses Werk hätte eine große
Luftverschmutzung verursacht und eine Umsiedlung von Farmerfamilien
zur Folge gehabt. Dementsprechend positiv waren die Reaktionen der
Bevölkerung auf die verschiedenen Aktionen der Aktivisten.
Hätte ich mein Greenpeace T-Shirt allerdings bei einer Fotoreportage
im afrikanischen Urwald angehabt, wo es mir gelang, die dortigen
Holzfäller für zwei Tage bei ihrer Arbeit zu begleiten,
würde es diese Multivision mit mir als Referenten heute wohl
nicht geben.
Kam deine Dia-Show beim Publikum überall so gut an wie
hier in Stuttgart?
Ich war mit dieser Multivision in über 70 Städten mit
den unterschiedlichsten Saalgrößen. Die Zuschauer waren
immer begeistert und beeindruckt. Der Rekord war gestern in Dresden
mit 500 Gästen. Stuttgart war der vorläufige Abschluss
der Tour, und ich muss sagen, es war ein schönes Erlebnis,
zum Schluss noch mal ein volles Haus gehabt zu haben und dabei 25
Greenpeace-Fördermitglieder gewonnen zu haben. Ich danke dem
Lindenmuseum und der Greenpeace-Gruppe Stuttgart, die diese Veranstaltung
hier möglich gemacht haben.
Das Interview mit Markus Mauthe führte Bernhard Lehr vom Arbeitskreis
"Wälder" der Greenpeace-Gruppe Stuttgart.
Ab März 2006 tourt Markus Mauthe mit seiner Multivision-Show
"Grüner Planet" wieder durch Deutschland. Die nächsten
Orte und Termine finden Sie hier...
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