Das Stuttgarter Öko-Papier-Projekt

Hintergrund

Die (Ur-)Wälder der Erde sind unter anderem bedroht, weil der Verbrauch von Frischfaser-Papier weltweit steigt. Am größten ist er in den Industriestaaten - allein jeder Deutsche verbraucht durchschnittlich mehr als 250 Kilogramm Papier im Jahr, 90 Prozent davon wird aus dem Ausland eingeführt. Doch es gibt (ur-)waldfreundliche Alternativen:
Recycling-Papier oder Umweltschutz-Papier, das zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt wird, und
FSC-Papier, bei dem das Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) eine ökologisch nachhaltige und sozial verträgliche Waldnutzung garantiert.
Leider sind Recycling- und FSC-Papier nicht überall zu bekommen. Um Ihnen zu zeigen, wo Sie in Stuttgart diese Produkte kaufen können, hat die Greenpeace-Gruppe Stuttgart im Jahr 2008 ein Öko-Papier-Projekt begonnen. Seither haben wir zweimal in zahlreichen Geschäften der ganzen Stadt recherchiert, wo in Stuttgart welche Öko-Papier-Produkte erhältlich sind.

Wo in Stuttgart finden Sie Öko-Papier?

Wir haben neben Kopier-Läden (Kopier- und Druckpapier) und Schreibwaren-Geschäften (Schulhefte, Briefumschläge und Schreibpapier wie Briefpapier, Spiralblöcke und Notizzettel) auch (ur-)waldfreundliche Hygiene-Papiere (Kosmetiktücher, Küchenrollen, Taschentücher und WC-Papier) erfasst. Die Ergebnisse unserer Recherchen der vergangenen Jahre finden Sie hier:

Die Stuttgarter Recycling-Papier-Liste 2009
Die Stuttgarter Öko-Papier-Liste 2008

Bitte beachten Sie, dass wir Ihnen hier nur Beispiele nennen und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Außerdem kann sich das Sortiment der jeweiligen Anbieter ständig ändern.


Kopier- und Druckpapiere
© Hermes

Warum sollten Sie Recycling-Papier kaufen?

Zum einen wird bei der Herstellung von Recycling-Papier viel Holz eingespart und damit (Ur-)Wald geschützt. Beim Papier-Recycling können die Holzfasern bis zu sechs mal in den Recycling-Kreislauf eingespeist werden.

Zum anderen werden beim Papier-Recycling deutlich weniger Chemikalien, Energie und Wasser benötigt als bei der Produktion von Frischfaser-Papier. Lesen Sie hierzu auch unsere Infoblätter "Recyclingpapier statt Urwaldzerstörung" (PDF-Datei, 503 kB) und "Gute Gründe, Recyclingpapier zu benutzen" (PDF-Datei, 146 kB).


Schreibpapiere
© Hermes


Es gibt noch immer das Vorurteil, wonach Recycling-Papier nicht praxistauglich sei. In Wirklichkeit verursacht Recycling-Papier aber in heutigen Druckern, Faxgeräten und Kopierern nicht mehr Probleme als konventionelles Papier. Darüber hinaus ist Recycling-Papier genauso alterungsbeständig und archivierbar wie Frischfaser-Papier.

Gelegentlich wird auch die leichte Grautönung von Recycling-Papier als unansehnlich kritisiert. Das ist Geschmackssache und letzlich eine Frage der Einstellung. Außerdem gibt es mittlerweile Recycling-Papier in einer weißen Tönung.


Hygienepapiere
© Hermes

Wie erkennen Sie Recycling-Papier?

Das wichtigste Kennzeichen für Recycling-Papier ist "Der Blaue Engel" (siehe rechts). Dieses Zeichen wurde 1977 von Umweltbundesamt und Verbraucherverbänden geschaffen, um bei den unterschiedlichsten Produkten auf strengere Standards für Nachhaltigkeit und Umweltschutz hinzuweisen. Der "Blaue Engel" für Recycling-Papier garantiert, dass dieses zu 100 Prozent aus Altpapier hergestellt wird.

Sogenanntes "Umweltschutz-Papier" übertrifft den "Blauen Engel" aus ökologischer Sicht sogar noch, da hier die im Altpapier vorhandene Druckfarbe nicht entfernt und das Papier auch nicht gebleicht wird. Manche Produkte tragen zusätzlich zum "Blauen Engel" auch noch folgende (ur-)waldfreundliche Kennzeichen für Recycling-Papier.

Weitere (ur-)waldfreundliche Kennzeichen:

Das Öko-Siegel des Forst Stewardship Council.
© "Blauer Engel"





Eine umweltfreundliche Möglichkeit ist auch Frischfaser-Papier mit dem Siegel des Forest Stewardship Council (FSC, siehe Bild rechts). Dieser "Welt-Forst-Rat" wurde im Jahr 1993 als internationale regierungsunabhängige Organisation gegründet, um eine ökologisch nachhaltige und sozial verträgliche Waldnutzung zu fördern. Das FSC-Siegel ist das einzige weltweit anerkannte Öko-Siegel, das eine nachhaltige Forstwirtschaft garantiert.
FSC-Papier gibt es nicht nur als Frischfaser-Papier, sondern auch als Recycling-Papier, das zum größten Teil aus Altpapier hergestellt wird.

Das Öko-Siegel des Forst Stewardship Council.
© FSC


Daneben gibt es bei Papier-Produkten weitere Kennzeichnungen, die jedoch wenig oder nichts mit Standards für Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu tun haben. Lesen Sie hierzu auch unser Flugblatt "Woran erkennt man umweltfreundliches Papier?" (PDF-Datei, 117 kB).
Der Begriff "holzfrei" bedeutet eigentlich "holzstoff- oder ligninfrei". Diese Stoffe wurden entfernt, weil sie zum Vergilben des Papiers führen - aber auch dieses Papier wird aus Holz gemacht.
Der Begriff "chlorfrei" besagt lediglich, dass das Papier nicht mit Chlor gebleicht wurde. Es handelt sich aber nicht um Recycling-Papier.

Keine (ur-)waldfreundlichen Kennzeichen:


Das offizielle Umweltzeichen der Europäischen Union "Euromargerite" stellt nur niedrige Anforderungen zum Chemikalien-Einsatz sowie zu Energie- und Wasser-Verbrauch. Es wird aber kein Recycling-Papier vorgeschrieben, sodass dieses Siegel kein Kennzeichen für (ur-)waldfreundliche Papier-Herstellung ist.


Hinter dem Zeichen des "Pan-Europäischen Zertifizierungssystems" (PEFC) steckt bloß konventionelle Forstwirtschaft, es enthält keinen Recycling-Anteil. Unter dem Deckmantel von PEFC wird weiterhin in nordischen Urwäldern (wie in Finnland) Holz eingeschlagen, die Rechte von indigenen Völkern (wie den Sami) werden ignoriert.


Das skandinavische Zeichen "Nordischer Schwan" stellt wie das EU-Umweltzeichen "Euromargerite" nur Anforderungen zum Chemikalien-Einsatz sowie zu Energie- und Wasser-Verbrauch. Es wird aber kein Recycling-Papier vorgeschrieben, sodass auch dieses Siegel kein Kennzeichen für (ur-)waldfreundliche Papier-Herstellung ist.


Das Zeichen "Eugropa" wird vom Europäischen Verband der Papiergroßhändler vergeben und schreibt nur einen Recycling-Anteil von 50 Prozent vor. Da dieses Siegel weit hinter wirklichen Umweltzeichen wie dem "Blauen Engel" zurückbleibt, ist es kein Kennzeichen für (ur-)waldfreundliche Papier-Herstellung.


Das Zeichen "Aqua Pro Natura / Weltpark Tropenwald" garantiert lediglich, dass kein Tropenholz verwendet wird. Ein Raubbau an nordischen Urwäldern wie in Finnland, Russland und Kanada ist weiterhin möglich. Es wird kein Recycling-Papier vorgeschrieben.

Wie können Sie Papier sparen?

Bevorzugen Sie Kopier-Läden, wo es Kopier- und Druckpapier aus Recycling-Papier gibt. Fordern Sie Ihren Copy-Shop auf, auch Kopierer mit Recycling-Papier anzubieten. Lesen Sie hierzu auch unser Flugblatt "Recycling-Papier für Kopierer, Drucker, Faxe..." (PDF-Datei, 87 kB).
Bevorzugen Sie Schreibwaren-Geschäfte, wo es Schulhefte, Briefumschläge und Schreibpapier aus Recycling-Papier gibt. Sprechen Sie mit den Laden-Inhabern, wenn sie kein solche Papier führen. In vielen Schreibwaren-Läden kann man Schulhefte aus Recycling-Papier in Klassenstärke bestellen. Lesen Sie hierzu auch unser Flugblatt "Schulhefte, Schreibwaren und Büromaterial" (PDF-Datei, 73 kB).
Bevorzugen Sie Anbieter von Hygiene-Artikeln, wo es Kosmetiktücher, Küchenrollen, Taschentücher und WC-Papier aus Recycling-Papier gibt. Lesen Sie hierzu auch unser Flugblatt "Recycling-Hygienepapiere" (PDF-Datei, 83 kB).
Wir haben vergangenen Jahren zweimal recherchiert, wo Sie Kopier-Papier, Schreibwaren und Hygiene-Artikel aus Recycling-Papier in Stuttgart finden. Die Ergebnisse unserer Recherchen finden Sie hier:
Die Stuttgarter Öko-Papier-Liste 2009
Die Stuttgarter Öko-Papier-Liste 2008

Setzen Sie sich an Ihrer Schule, an Ihrer Hochschule oder bei Ihrem Arbeitgeber dafür ein, dass Kopier- und Briefpapier auf Recycling-Papier umgestellt werden.
Fordern Sie von Behörden und Firmen, von denen Sie Briefe oder Rechnungen erhalten, auf Recycling-Papier umzustellen.
Bringen Sie an Ihrem Briefkasten den Hinweis an, dass Sie keine Anzeigenblätter und Werbung wünschen. Überzeugen Sie Ihre Nachbarn, das auch zu tun.
Lassen Sie sich in die sogenannte Robinson-Liste eintragen (www.robinsonliste.de), um adressierte und unerwünschte Werbung per Post oder Fax zu verringern.
Benutzen Sie für Ihre Drucker und Faxgeräte nur Recycling-Papier.
Verwenden Sie die Rückseite von gebrauchtem Papier für Ausdrucke und Notizen.
Packen Sie Ihre Geschenke mal anders ein, zum Beispiel in buntem Altpapier oder in einem schicken Halstuch oder Schal.
Bevorzugen Sie Mehrwegflaschen statt Getränkekartons.
Verwenden Sie beim Kaffee- oder Tee-Kochen keine Papierfilter, sondern Dauerfilter aus Metall oder Baumwolle.
Benutzen Sie statt Papier-Taschentüchern und waschbare Stoff-Taschentücher aus Baumwolle.
Eltern von kleinen Kindern können statt Wegwerfwindeln mehrfach verwendbare Stoffwindeln nehmen.
Bringen Sie Ihr Altpapier als Rohstoff fürs Recycling immer zu entsprechenden Wertstoffttonne.

Diese und weitere Ideen zum Papier-Sparen finden Sie auch in unserem Flugblatt "Pfiffige Ideen zum Einsparen von Papier" (PDF-Datei, 117 kB).

Download
Unser Infoblatt "Recyclingpapier statt Urwaldzerstörung" (PDF-Datei, 436 kB) erläutert, wie unser Papierverbrauch zum Raubbau an Urwäldern beiträgt.
Das Infoblatt "Gute Gründe, Recyclingpapier zu benutzen" (PDF-Datei, 146 kB) fasst die ökologischen Vorteile von Recycling-Papier zusammen.
Unser Flugblatt "Woran erkennt man umweltfreundliches Papier?" (PDF-Datei, 117 kB) erklärt, wie man (ur-)waldfreundliche Papiere erkennt.
Das Flugblatt "Recycling-Papier für Kopierer, Drucker, Faxe..." (PDF-Datei, 87 kB) räumt Vorurteile gegenüber Recycling-Kopier-und Druckpapiere aus.
Das Flugblatt "Schulhefte, Schreibwaren und Büromaterial" (PDF-Datei, 73 kB) gibt Tipps rund um Recycling-Papiere für Schule und Büro.
Das Flugblatt "Recycling-Hygienepapiere" (PDF-Datei, 83 kB) geht auf einige Vorurteile gegenüber Recycling-Hygiene-Papiere ein.
Unser Flugblatt "Pfiffige Ideen zum Einsparen von Papier" (PDF-Datei, 117 kB) gibt Anregungen, was man beim Papier-Sparen noch alles tun kann.
Links
Die Initiative 2000 plus hat sich zum Ziel gesetzt, die Verwendung von Recycling-Papier besonders an Schulen zu fördern.
Die Initiative 2000plus bietet unter www.heftefinder.de eine bundesweite Datenbank an, die Ihnen hilft, in Ihrer Nähe Schulhefte aus Recyclingpapier zu finden.
Auch die Initiative Pro Recyclingpapier setzt sich dafür ein, dass ökologische Papiere in allen Lebensbereichen stärker verwendet werden.
Der Förderverein für umweltverträgliche Papiere und Büroökologie Schweiz (FUPS) bietet umfangreiche Informationen zum Thema.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 14.10.2009