Ludwigsburger Kreis-Zeitung vom 12. April 2010

Greenpeace protestiert vor Nestlé-Werk

Umweltaktivisten kämpfen in Ludwigsburg für den Lebensraum des Orang-Utans in Indonesien

In 40 Städten deutschlandweit haben am Wochenende Greenpeace-Aktivisten eine Pause für Orang-Utans gefordert. Auch in Ludwigsburg machten die Umweltschützer auf das Regenwaldsterben aufmerksam. Im Fokus der Kampagne standen der Lebensmittelhersteller Nestlé, der auch hier in der Stadt ein Werk betreibt, und das von ihm verwendete Palmöl.

Von Stephanie Seer

„Have a break - have a Kitkat“ – mit diesem Werbespruch (Mach eine Pause, iss ein Kitkat) machte der Lebensmittelhersteller Nestlé Werbung für einen der weltweit bekanntesten Schokoriegel. In Sichtweite des Ludwigsburger Nestléwerks forderten Greenpeace-Aktivisten nun eine Pause für Orang-Utans. Am Bahnhof verteilten sie Protestpostkarten gegen den Lebensmittelkonzern– und erklärten den Passanten, was der beliebte Schokoriegelüberhaupt mit der Abholzung des Regenwalds in Indonesien und den bedrohten Orang-Utans zu tun hat.


Das Ludwigsburger Nestlé-Werk war am Samstag das Ziel von Greenpeaceprotesten
Bild: Alfred Drossel


„Wir wollen den Bürgern klar machen, dass sie Teil des Problems sind, wenn sie Produkte von Nestlé kaufen“, sagt Bernhard Lehr, Waldexperte bei Greenpeace Stuttgart. Denn: Die Umweltaktivisten werfen Nestlé vor, über Zwischenhändler Palmöl der Sinar-Mas-Gruppe zu verwenden. Dieses indonesische Unternehmen wird für einen großen Teil des Raubbaus an indonesischen Regenwäldern verantwortlich gemacht, der wiederum Artensterben zufolge hat. „Prominentester Bewohner des Regenwalds ist der Orang-Utan“, begründet Bernhard Lehr, warum sich die Aktion auf den Schutz der Orang-Utans konzentriert.
Für den Greenpeace-Experten kann der Lebensmittelkonzern maßgeblich etwas zum Erhalt des Lebensraums der Menschenaffen beitragen. „Nestlé kann Druck ausüben, Nestlé hat die Macht“, sagt Lehr. Er und seine Mitstreiter fordern, dass der Lebensmittelkonzern sämtliche, auch indirekte Handelsbeziehungen zum umstrittenen Palmöllieferanten einstellt.
Darüber hinaus wünschen sich die Umweltschützer, dass der Konzern seine Marktmacht in Asien nutzt und sich für ein Moratorium für den indonesischen Regenwald einsetzt.
Mit der Aktion am Bahnhof will Greenpeace seinerseits Druck auf Nestlé ausüben, auf diese Forderungen einzugehen. Tausend Protestpostkarten hatte Lehr dafür im Gepäck. Adressat: der Geschäftsführer von Nestlé Deutschland. Passanten konnten die Karten mit dem Forderungskatalog unterschreiben und dann an die Firma schicken.
Artenschützer Lehr ist sich sicher, dass solche Aktionen wie die in Ludwigsburg nicht ohne Folgen bleiben: „Der Endverbraucher kann enormen Druck ausüben.“ Er nennt ein Beispiel aus Südamerika. Damals ging es nicht um Palmöl, sondern um Soja aus dem Amazonas-Regenwald. Mit Protestpostkarten und Aktionen vor Ort konnte dort ein Moratorium erwirkt werden.
Greenpeace stellt nicht allein Nestlé an den Pranger. Denn das Unternehmen verbraucht nach eigenen Angaben jährlich nur 0,7 Prozent der weltweiten Palmölproduktion. Auch Kekse von Bahlsen, Maggi-Produkte, Kosmetik von Schwarzkopf, Waschmittel wie Persil können laut der Umweltorganisation Palmöl aus Urwaldzerstörung enthalten.
Doch auch die Firmen stecken in einem Dilemma: Auf nachhaltig produziertes Palmöl können die Firmen nahezu nicht ausweichen, weil es dies kaum gibt, schildert Lehr die Situation. Am besten sei es daher, ganz auf Produkte mit Palmöl zu verzichten. Jedoch: „Oft steht auf der Verpackung allerding nur ,Pflanzenöle‘ enthalten“, bedauert Bernhard Lehr.



Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 16.04.2010