„Wir wollen den Bürgern klar machen,
dass sie Teil des Problems sind, wenn sie Produkte von Nestlé
kaufen“, sagt Bernhard Lehr, Waldexperte bei Greenpeace Stuttgart.
Denn: Die Umweltaktivisten werfen Nestlé vor, über Zwischenhändler
Palmöl der Sinar-Mas-Gruppe zu verwenden. Dieses indonesische
Unternehmen wird für einen großen Teil des Raubbaus an
indonesischen Regenwäldern verantwortlich gemacht, der wiederum
Artensterben zufolge hat. „Prominentester Bewohner des Regenwalds
ist der Orang-Utan“, begründet Bernhard Lehr, warum sich
die Aktion auf den Schutz der Orang-Utans konzentriert.
Für den Greenpeace-Experten kann der Lebensmittelkonzern maßgeblich
etwas zum Erhalt des Lebensraums der Menschenaffen beitragen. „Nestlé
kann Druck ausüben, Nestlé hat die Macht“, sagt
Lehr. Er und seine Mitstreiter fordern, dass der Lebensmittelkonzern
sämtliche, auch indirekte Handelsbeziehungen zum umstrittenen
Palmöllieferanten einstellt.
Darüber hinaus wünschen sich die Umweltschützer,
dass der Konzern seine Marktmacht in Asien nutzt und sich für
ein Moratorium für den indonesischen Regenwald einsetzt.
Mit der Aktion am Bahnhof will Greenpeace seinerseits Druck auf
Nestlé ausüben, auf diese Forderungen einzugehen. Tausend
Protestpostkarten hatte Lehr dafür im Gepäck. Adressat:
der Geschäftsführer von Nestlé Deutschland. Passanten
konnten die Karten mit dem Forderungskatalog unterschreiben und
dann an die Firma schicken.
Artenschützer Lehr ist sich sicher, dass solche Aktionen wie
die in Ludwigsburg nicht ohne Folgen bleiben: „Der Endverbraucher
kann enormen Druck ausüben.“ Er nennt ein Beispiel aus
Südamerika. Damals ging es nicht um Palmöl, sondern um
Soja aus dem Amazonas-Regenwald. Mit Protestpostkarten und Aktionen
vor Ort konnte dort ein Moratorium erwirkt werden.
Greenpeace stellt nicht allein Nestlé an den Pranger. Denn
das Unternehmen verbraucht nach eigenen Angaben jährlich nur
0,7 Prozent der weltweiten Palmölproduktion. Auch Kekse von
Bahlsen, Maggi-Produkte, Kosmetik von Schwarzkopf, Waschmittel wie
Persil können laut der Umweltorganisation Palmöl aus Urwaldzerstörung
enthalten.
Doch auch die Firmen stecken in einem Dilemma: Auf nachhaltig produziertes
Palmöl können die Firmen nahezu nicht ausweichen, weil
es dies kaum gibt, schildert Lehr die Situation. Am besten sei es
daher, ganz auf Produkte mit Palmöl zu verzichten. Jedoch:
„Oft steht auf der Verpackung allerding nur ,Pflanzenöle‘
enthalten“, bedauert Bernhard Lehr.
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