|
Stuttgarter Zeitung vom 06. Juni 2011 UmweltschutzWerben für den Wald und Wurst aus Weizen "Wollen Sie den Fühltest machen?" fragt Cornelia Jakob von Greenpeace und zeigt auf neun säuberlich aufgereihte Klopapierrollen an ihrem Stand. Welche der Rollen ist wohl aus Altpapier gemacht? Dieser Test zum Schmunzeln zieht immer wieder Menschen aus den Passantenströmen der Königstraße in den Schatten beim Greenpeacezelt am Rande des Schlossplatzes. Die Finger der Besucher gleiten prüfend über die Papierrollen. Vorsichtig wird ein Papiereckchen gehoben und zwischen Daumen und Zeigefinger gerieben. Schwer zu sagen. Die Lösung: alle neun Papierrollen sind aus Umweltpapier. "Wir wollen deutlich machen, dass Umweltklopapier nicht mehr dieses dunkle harte Material besitzt", sagt Jakob. Beim Tag der Umwelt am Schlossplatz vor dem Kunstwürfel haben sich die Teilnehmer an den zwölf Ständen so einiges einfallen lassen, um für den Umweltschutz und den Erhalt der Bäume zu werben. Die ehemalige Stadträtin Doris Peppler-Kelka (Grüne) schenkt mit ihrer Parteifreundin Muhterem Aras Apfelsaft von Stuttgarter Streuobstwiesen aus, nebenan gibt es Veggiewurst aus Weizen. Die Naturfreunde stehen neben dem Aktionsbündnis Rohrer Weg. Der Verein der Pilzfreunde Stuttgart ist zum ersten Mal bei dem jährlichen Aktionstag dabei. "Wir wollen zeigen, dass Pilze die stillen Helfer im Wald sind", sagt der Vereinsvorsitzende Ernst Dittrich. Nur durch Pilze werde Holz erst morsch. "Sie sind Recyclingmaschinen und Kompostiermeister." Auch das städtische Forstamt ist mit Infomaterial vor Ort. "Unsere Wälder sind dem Klimawandel ausgesetzt", sagt Hagen Dilling, der stellvertretende Leiter des Forstamts, und erklärt auf zwei Karten die immer schwerer werdenden Bedingungen für die heimischen Bäume: "Es wird zukünftig keine Fichten mehr in Stuttgart geben." Das Forstamt reagiert: "Wir bevorzugen bei der Pflanzung Arten, die Wärme und Trockenheit mögen", sagt Dilling. Das sei auch mit einheimischen Bäumen wie etwa der Elsbeere oder auch der Eiche möglich. Was man mit Bäumen noch machen kann, zeigt ein paar Meter weiter eine Gartengestaltungsfirma. An einer Platane haben drei Baumpfleger Seile, Schlingen und Griffe befestigt. Wer möchte, bekommt Klettergurt und Helm und kann in die Höhe steigen. "Das Ziel ist es, die Kids in der Stadt auf den Baum zu bringen", sagt Hubert Ott vom Amt für Umweltschutz. Das gelingt. Der Junge mit dem Bayern München-Trikot hadert erst noch, dann traut er sich doch. Professionell sichert Baumpfleger Sebastian Augenstein den Kleinen ab. Noch unsicher kraxelt der Junge langsam am Stamm hoch. Nach zwei Metern ist Schluss: "Ich will runter", sagt er. Ein anderer Junge hat völlig Feuer gefangen. Schon zum fünften Mal steigt er nun an der Platane hoch. Als die ersten Äste kommen, zieht er sich geschickt an Schlaufen weiter in die Höhe. Dann wird er wieder langsam abgeseilt - mit einem großen Grinsen im Gesicht. Webmaster, Greenpeace Stuttgart - letzte Änderung: 19.06.2011 |