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Sindelfinger Zeitung vom 25. April 2003 "Urwaldbäume zu schade für Kartons"Böblingen: Greenpeace protestiert gestern vor der Zentrale von Hewlett Packard gegen Verpackungen aus finnischem HolzVon Chefredakteur Hans-Jörg Zürn "Jahrhunderte alte Bäume aus Finnland sind viel zu schade als Verpackungskartons für Drucker", sagt Matthias von Herrmann von der Greenpeace-Gruppe Stuttgart. Gestern protestierte er mit acht weiteren Aktivisten vor der Zentrale von Hewlett Packard in Böblingen. "HP hat Urwälder auf dem Gewissen", so der Hamburger Oliver Salge. Er gilt bei den Umweltschützern als Waldexperte. Seine Forderung ist klar: "Der Konzern muss dafür sorgen, dass seine Druckerverpackung keine zermahlenen Baumriesen mehr enthält." Stattdessen sollte Recycling-Papier verwendet werden. In Baum-Kostümen, mit einem Transparent und Info-Material machten die Greenpeace-Mitglieder gestern in Böblingen auf das Problem aufmerksam. Ziel von Aktionen waren auch die Papierhändler Schneider und Söhne, Papier Union und Deutsche Papier. Alle kaufen Papier vom finnischen Konzern Stora Enso. Der lässt als Rohmaterial auch alte Urwaldbäume schlagen. Die alten Wälder verschwinden Die Umweltschützer fordern, dass diese Wälder künftig auch offiziell als "Urwald" bezeichnet und dann als solche geschützt werden. "Heute existiert nur noch ein Bruchteil mit einer Größe von rund 10000 Quadratkilometern", so Matthias von Herrmann. Davon stehe nur rund die Hälfte unter Naturschutz. Grund sei eine Haarspalterei bei der Bezeichnung, denn in Finnland werden sie frei übersetzt als alter Baumbestand bezeichnet und eben nicht als Urwald. Auf jeden Fall halten die Umweltschützer es aber für Unsinn, diese Baumriesen zu fällen. "Für Verpackungen wie bei HP oder auch Werbebroschüren, Plakaten und Jahresberichten dürfen diese wertvollen Bäume nicht fallen. Dafür sind sie viel zu schade", sagt Oliver Salge. Zumal durch den Einschlag auch das Oko-System empfindlich gestört würde. Finnische Ureinwohner benötigen die alten Wälder als Weidegebiete für ihre Rentier-Herden, da die Tiere Flechten von den Bäumen fressen. "Ohne die Bäume wird den Finnen im Norden des Landes die Lebensgrundlage entzogen", so der Hamburger Umweltschützer. Gleichzeitig könnten die Flechten ungezügelt sprießen, was den Rest des Urwaldes bedrohe. Greenpeace hofft jetzt auf Unterstützung von Bundesumweltministerin Renate Künast. Sie soll das Problem auf die Tagesordnung nehmen bei der "Konferenz für den Schutz der Wälder in Europa" vom 28. bis 30. April in Wien. Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 25.04.2003 |