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Presseerklärung vom 9. Juli 1999 Gegen Urwaldzerstörung: Indianer schnitzen Totempfahl in StuttgartStuttgart, 9.7.1999 - Seit heute vormittag können die Stuttgarter Bürger Indianern beim Schnitzen eines Totempfahls zuschauen. Zwei Mitglieder vom Stamm der Nuxalk sind auf Einladung von Greenpeace aus dem kanadischen Regenwald in die Landeshauptstadt gekommen. Aus ihrer Heimat haben sie einen über sechs Meter langen und fast einen Meter dicken Stamm einer Rotzeder mitgebracht. An der Ecke Kronprinzstraße / Büchsenstraße schnitzen die kanadischen Ureinwohner heute und morgen aus dem rund 600 Jahre alten Baumstamm einen Totempfahl. Außerdem wird ein überdimensionaler aufblasbarer Braunbär an die bedrohte Tierwelt des Regenwaldes erinnern. Mit ihrer Aktion wollen die Indianer gemeinsam mit Greenpeace auf die Zerstörung des jahrtausendealten kanadischen Regenwaldes durch Holzkonzerne aufmerksam machen. Deutschland ist einer der Hauptimporteure von Zellstoff und Holz aus Kanada. Die Passanten können sich auf Schautafeln über die Urwaldzerstörung in Kanada informieren, sich in ein "Urwald-Gästebuch" eintragen und Protestschreiben an die kanadische Botschaft unterschreiben. "Der kanadische Küstenregenwald ist der letzte nördliche Regenwald der Erde. Auch in den wenigen noch unberührten Tälern wird bereits eingeschlagen. Mit dem Urwald verschwindet nicht nur eine einzigartige Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren. Die kanadischen Holzkonzerne zerstören auch den jahrtausendealten Lebensraum der kanadischen Indianer", sagt Greenpeace-Sprecher Clive-Steven Curran. Die beiden indianischen Holzschnitzer der "Totem-Tour" kommen aus Bella Coola, einem Dorf mitten im Great Bear-Regenwald, der sich entlang der kanadischen Küste zwischen Vancouver Island und Alaska erstreckt. Tlàkuuluh (51, "Wilder Mann, nachdem er in den Bergen gefastet hat und in sein Dorf zurückgekehrt ist") und sein Stammesbruder Suncwmay (37, "Erstes Licht vor dem Morgengrauen") gehören zum Stamm der Nuxalk, der heute nur noch rund 1.700 Indianer zählt. Die Rotzeder, die sie in Stuttgart bearbeiten, wurde vom kanadischen Holzkonzern Interfor gefällt, einem der großen Kahlschlagkonzerne. Bei der Vergabe von Konzessionen für den Einschlag im Urwald nahm die Provinzregierung von British Columbia auf die Landrechte und Traditionen der Nuxalk keine Rücksicht. Jahr für Jahr werden im Gebiet dieses Stammes über eine Million Kubikmeter Holz eingeschlagen. Zurück bleiben kahlgeschlagene Waldflächen und verschlammte Flüsse, aus denen die auf klares Wasser angewiesenen Lachse, Lebensgrundlage von Tieren und Indianern, verschwinden. Der Kahlschlag des Regenwaldes zerstört auch die Einheit des Stammes: Die Anhänger der traditionellen Lebensweise stehen in Konflikt mit Indianern, die ihren Lebensunterhalt als Holzfäller verdienen. "Die Totem-Tour soll den deutschen Unternehmen, die Holz, Zellstoff oder Papier aus kanadischem Urwaldholz beziehen, deutlich machen, welche verheerenden Folgen ihr Kaufverhalten für den kanadischen Regenwald und seine Bewohner hat. Das, was von den riesigen Urwaldflächen in Kanada übriggeblieben ist, wird in zehn Jahren verschwunden sein, wenn jetzt nichts geschieht", so Clive-Steven Curran. Am Samstag sind ab 11 Uhr auch Stuttgarter Kinder und Jugendliche mit dabei: Sie werden ihre Ideen zum Thema Urwald in Holz schnitzen und auf Leinwand malen. Die "Greenpeace-Totem-Tour" besucht insgesamt 14 Städte im ganzen Bundesgebiet. Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 09.08.2000 |