Stuttgarter Zeitung vom 10. Juli 1999

Schnitzen für den Urwald

Greenpeace demonstriert gegen den Kahlschlag in Kanada

Sechs Meter lang und fast anderthalb Tonnen schwer ist die Rotzeder. Zwei Nuxalk-Indianer schnitzen daraus seit gestern in der Büchsenstraße einen Totempfahl. Zusammen mit Greenpeace fordern sie den Stopp des Kahlschlags im kanadischen Regenwald.

Auf viele Mißstände wollen die Mitglieder von Greenpeace aufmerksam machen. Durch den Kahlschlag würden die Flüsse verschlammen, die Lachse nicht mehr laichen, dort lebende Bärenarten aussterben und die Indianer ihren Lebensraum verlieren. "Wenn die kanadische Forstwirtschaft so weitermacht wie bisher, wird der letzte Küstenregenwald in der nördlichen Hemisphäre in zehn Jahren verschwunden sein", sagt Clive-Steve Curran von Greenpeace.

Die "Totem-Tour" von Greenpeace und den beiden Indianern kommt durch 14 Städte in Deutschland. Das kanadische Konsulat in Stuttgart hält die Proteste zwar für "spektakulär, nicht aber für berechtigt". Zwei Drittel des Regenwaldes seien ausgewiesene Schutzzonen. Ansonsten werde der Wald nachhaltig bewirtschaftet und wieder aufgeforstet. Auch finde die Forstwirtschaft nicht gegen den Willen der Indianer statt. Greenpeace prangert hingegen an, daß die kanadische Regierung nichts gegen die Holzkonzerne unternehme, die in den Schutzzonen fällten.

Heute können auch Kinder und Jugendliche in der Büchsenstraße für den Regenwald schnitzen. Allerdings nicht in den indianischen Totempfahl. Von 11 Uhr an können sie ihre Ideen zum Thema Urwald in Holz darstellen oder sie auf Leinwand malen. sch

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© Zweygarth, Stuttgarter Zeitung
 

Protest mit dem Stechbeitel



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