Presseerklärung vom 29. September 2001

Keine Steuergelder für die Abholzung der Urwälder!

Greenpeace sammelt Unterschriften für urwaldfreundliche öffentliche Beschaffung

Stuttgart, 29. 09. 2001 - Die Greenpeace-Gruppe Stuttgart sammelt am Samstag, 29.09.2001, Unterschriften von Passanten, die die Greenpeace-Forderung nach urwaldfreundlicher öffentlicher Beschaffung in Baden-Württemberg unterstützen. Darauf machen die Stuttgarter Umweltschützer mit einem Bärenkostüm und einem Banner aufmerksam, auf dem steht: "Schluss mit der Urwaldzerstörung!" In einer Petition, die sich an den Landtag von Baden-Württemberg richtet, fordert Greenpeace die Abgeordneten auf, ein Gesetz zu verabschieden, das für das öffentliche Beschaffungswesen und die Auftragsvergabe der Landesministerien die Beschaffung von urwaldfreundlichen Produkten vorschreibt. Dies sind z.B. Recyclingpapier oder Holzprodukte, die mit dem Ökosiegel des Forest Stewardship Council (FSC) versehen sind. Die Greenpeace-Unterschriften-Aktion findet statt von 10 bis 16 Uhr auf der Königstraße, Höhe Commerzbank / Buchhandlung Wittwer.

"Die Urwälder auf der ganzen Welt verschwinden schneller als man gucken kann: Jährlich werden 150.000 Quadratkilometer Urwaldfläche vernichtet. Dies entspricht der vierfachen Fläche Baden-Württembergs" sagt Matthias von Herrmann, Pressesprecher der Greenpeace-Gruppe Stuttgart. "Die Politiker müssen jetzt handeln. Es kann nicht angehen, dass die letzten Urwälder der Welt für die Herstellung von Fensterrahmen, Parkbänken oder Kopierpapier geplündert werden. Einheimische Holzsorten sind hierfür ebenso gut geeignet."

Greenpeace fordert von der Europäischen Union, der Bundesrepublik Deutschland und den Bundesländern, in Zukunft keine Steuergelder mehr für Produkte auszugeben, für deren Herstellung Urwald zerstört wird. Künftig sollten ausschließlich "urwaldfreundliche" Waren wie Recyclingpapier und Holz unbedenklicher Herkunft verwendet werden. In öffentlichen Ausschreibungen sollte dies zwingend vorgeschrieben sein. Damit würde eine der Hauptursachen für den weltweiten dramatischen Urwaldverlust beseitigt.

Im Juli 2001 hat die Bundesregierung im "Gesamtwaldbericht der öffentlichen Hand" den Einkauf urwaldfreundlicher Produkte angemahnt. Zeitgleich haben die reichen Industrieländer der G8 zur Bekämpfung der illegalen Abholzungen in Urwäldern eine entsprechende Einkaufspolitik angeregt. Diese würde die Verwendung von Holz mit Ökosiegel vorschreiben. Greenpeace empfiehlt, in Zukunft bei der öffentlichen Beschaffung nur Holz mit dem Siegel des Forest Stewardship Council (FSC) auszuschreiben. Das FSC-Siegel gewährleistet umweltverträgliche Waldbewirtschaftung und Holzgewinnung.

Der Verzicht auf Tropenholz allein reicht nicht aus: Die letzten großen Urwaldgebiete der Welt befinden sich nicht nur in den tropischen Breiten des Amazonas, des Kongobeckens und Süd-Ost-Asiens, sondern auch in den nördlichen Wäldern Kanadas, im europäischen Teil Russlands und in Sibirien. All diese Wälder, die 70 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten beheimaten, will Greenpeace vor der endgültigen Zerstörung retten. Die urwaldfreundliche Beschaffung des Landes Baden-Württemberg soll dazu beitragen.


Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 27.09.2001