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Stuttgarter Nachrichten vom 13. Oktober 2000 "Von Kaminen abseilen, das war nie mein Ding"Stefan Trucksäß vermittelt als dienstältester Greenpeace-Aktivist Stuttgarts seit 17 Jahren Umweltinformationen Im Regal stehen ein laufender Meter mit Kochbüchern und eine reichhaltige Sammlung unterschiedlichster Eierbecher. Um die Füße von Stefan Trucksäß schnurren Flecki und Zorro, die beiden dicken Kater. Doch die müssen auf ihr Futter warten. Denn der 41-Jährige erzählt die Geschichte des dienstältesten Greenpeace-Aktivisten Stuttgarts - seine Geschichte. VON KLAUS EICHMÜLLER Vor zwei Jahrzehnten war die Welt noch in Ordnung, zumindest was die saubere Trennung von Gut und Böse betraf. Aus den Kaminen der Kohlekraftwerke quollen schädliche Gase, in den Flüssen blubberte das Gift, Konzerne verklappten Schweinereien ins Meer. Gegen diese Profitmacherei auf Kosten der Umwelt kämpfte mutig eine kleine Gruppe. Sie kletterten auf Fabrikschornstein, enterten Säuretanker, warfen sich den Walfängern vor die Harpune: Die Helden von Greenpeace, deren deutsche Sektion vor genau 20 Jahren gegründet wurde. Trucksäß, damals Student der Betriebswirtschaft an der FH Nürtingen, wird rasch Fördermitglied. Doch die regelmässige Ablasszahlung reicht ihm auf die Dauer nicht für ein gutes Ökogewissen. "Ich wollte mehr machen.'' Im Herbst 1983 stolpert er auf der Königstraße über einen Infostand der Umweltschutzorganisation, redet mit den Aktivisten - und sorgt durch seinen Beitritt dafür, dass die Mitgliederzahl der Gruppe Stuttgart endlich zweistellig wird. "Inzwischen bin ich der Letzte aus dieser Generation'', sagt Trucksäß 17 Jahre später. Der Schwund unter den Altmitgliedern hat viele Gründe. Umzug, berufliche Belastung, Familie. "Die Prioritäten verschieben sich, Viele kriegen nicht mehr alles unter einen Hut'', weiß Trucksäß. Da springe ein ehrenamtliches Engagement zuerst über die Klinge. Er selbst sieht sich dagegen in einer begünstigten Position. Ursula, seine Frau, hat er bei Greenpeace kennen gelernt. "Das macht vieles leichter.'' Vor allem den Einsatz eines großen Teils der Freizeit, der Trucksäß neben seiner Tätigkeit in der EDV bei einem Baukonzern bleibt. "Abseilen - das war nie mein Ding'', sagt Trucksäß auf die Frage nach seinen großen spektakulären Einsätzen. In die Rolle des Umwelt-Helden wollte er nicht schlüpfen. Als Greenpeace vor einigen Jahren dem Mercedes-Vorstand in Untertürkheim aus Protest gegen die Produktion Sprit schluckender Autos buchstäblich aufs Dach stieg, stand Trucksäß nicht im Rampenlicht der Öffentlichkeit - er stand im Feuer der Kritik der Basis. Vor den Werktoren verteilte er bei Schichtwechsel Informationsmaterial und stand den Arbeitern Rede und Antwort. Den Finger in die Umweltwunde legen, Informationen vermitteln und Lösungsansätze aufzeigen. In diesem arbeitsteiligen Konzept von Greenpeace hat Trucksäß seinen Arbeitsschwerpunkt längst gefunden. Anfangs war es das klassische Waldsterben, dann kamen die Themen Luftreinhaltung, Ozon, Klimaveränderungen, Treibhauseffekt. Eine Bücherwand in seinem Arbeitszimmer zeigt, dass sich Trucksäß auf diesem Gebiet ein Expertenwissen erarbeitet hat. In dutzenden von Ordnern und Diaschubern hat er seine Themen griffbereit. Doch die Nachfrage nach der klassischen Information mittels Vorträgen schwindet. "Die Leute laufen uns nicht mehr die Bude ein'', stellt er fest. Und überhaupt: "Vor sechs, sieben Jahren hatte das Thema Umweltschutz einen höheren Stellenwert.'' Längst konzentriert sich der Umweltaktivist deshalb auf andere Wege der Informationsvermittlung. In die Neugestaltung der Internet-Homepage der Stuttgarter Gruppe haben er und Kollegen viel Freizeit investiert. Daneben ist Trucksäß Mitbegründer und Mitbetreiber der Mailbox des gemeinnützigen Vereins Gaiae.V. Kunde dieses Netzes, das nach der griechischen Erdmutter Gaia genannt wurde, ist unter anderem Greenpeace Deutschland.
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