S-Trip vom 26. Januar 2000

Langweilig wird's uns nicht

Über die Greenpeace-Aktivitäten in Stuttgart

Matthias von Herrmann
© Heike Schiller, S-Trip
 

Man sieht sie regelmäßig in der Glotze: Die Regenbogenkämpfer jagen zurzeit in Japan die Schiffe schurkischer Walfänger. Aber auch hier zu Lande ist Greenpeace aktiv: Was die 30-köpfige Gruppe in Stuttgart treibt, sagt Greenpeace-Sprecher Matthias von Herrmann.

In Stuttgart gibt's weder tropischen Regenwald, noch Ölplattformen oder Wale - haben die Regenbogenkämpfer überhaupt was zu tun?
Natürlich - langweilig wird's uns nicht. Die Schwerpunkte der Greenpeace-Gruppe Stuttgart sind die Themen Ökologisches Bauen und Wald. Außerdem machen wir zweimal im Monat die Sendung "Greenpeace-Radio Stuttgart" im Freien Radio für Stuttgart.

Ökologisches Bauen? Das hört sich nicht sehr spannend an...
Von wegen. Vor ein paar Wochen haben wir auf dem Bosch-Areal ozonschädliche Dämmplatten entdeckt. Die hatten ein Treibhauspotenzial, das ungefähr dem von drei Millionen Kilometern Auto fahren entspricht. Nachdem wird das aufgedeckt hatten, wurden 400 Platten rausgerissen. Wir arbeiten in diesem Bereich auch mit den Behören zusammen, wir informieren sie über die neuesten technischen Möglichkeiten im Umweltschutz.

Und beim Thema Wald - geht's da etwa um den Kräherwald?
Nein, nein, wir beteiligen uns zum Beispiel an einer Greenpeace-Kampagne für den kanadischen Regenwald. Wir haben Unterschriften gesammelt und dem kanadischen Konsul eine Petition übergeben.

Die kanadischen Wälder sind ziemlich weit weg - lassen sich die Stuttgarter für so ein Thema mobilisieren?
Den Wald abholzen, Wale abschlachten - das sind sehr emotionale Themen, da sagen die Leute: Das darf nicht sein, dagegen tun wir was. Es ist viel schwieriger, die Leute auf umweltschädliche Dämmplatten aufmerksam zu machen.

Hat Greenpeace jetzt, wo die Grünen in Deutschland mitregieren, überhaupt noch Arbeit?
Am Anfang haben wir gedacht: Jetzt sind wir unserem Ziel ein Stück näher gekommen. Aber wir haben schnell gesehen, dass die SPD und die Grünen im Bereich Umwelt fast so weitermachen, wie die CDU angefangen hat. Wir müssen weiter für den Atomausstieg kämpfen, die Arbeit geht uns sicher nicht aus.

Interview: Tobias Köhler

Foto zum Interview
© dpa
 

Greenpeace-Demo vor dem Europäischen Patentamt in München gegen die Erteilung von Patenten auf Gene.



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