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LE Quattro vom Dezember 1998 Im Sinne der NaturVON HILDEGARD KIENZLE Seit der Gründung der Umweltorganisation Greenpeace im Jahr 1981 ist Stefan Trucksäß aus Musberg Fördermitglied. Damit ist er Stuttgarts dienstältester Greenpeacer. Bei der Stuttgarter Gruppe ist der Musberger Stefan Trucksäß eine Institution: Seit 16 Jahren arbeitet er ehrenamtlich mit und ist damit dienstältester Umweltschützer in der Schwabenmetropole. Zur Zeit fungiert der 40-Jährige als allgemeiner Koordinator in Stuttgart und ist für die Zentrale in Hamburg der wichtigste örtliche Ansprechpartner. "Ich will über den Tellerrand blicken und vorausdenken", gibt Trucksäß als Begründung für sein Engagement an, das ihm neben dem Beruf immerhin regelmäßig fast 20 Stunden in der Woche an zusätzlicher Arbeit abverlangt. Der Wahl-Musberger ist eigentlich ein echtes Stuttgarter Gewächs. Hier ist er geboren und aufgewachsen. Lediglich das Studium der Betriebswirtschaft verlangte einen Abstecher nach Nürtingen. Trucksäß arbeitet bei einem großen Unternehmen der Baubranche, wo er für den SAP-Support im Intranet sorgt. Vor einigen Jahren suchte er eine bezahlbare Wohnung- und landete in Musberg. Zwei Kater tollen in der Wohnung. Das will nicht so recht in das Bild der streitbaren Greenpeacer passen. Doch Trucksäß meint: "Beruf und Privatleben sind und bleiben strikt getrennt." Der rothaarige Betriebswirt versucht aber trotzdem die Leute in seinem Umfeld mit Argumenten zu beeinflussen, wobei er realistisch sieht, dass der Beitrag Einzelner unterschiedlich groß sein kann. "Jeder sollte nur bis an seine eigene Schmerzgrenze Umweltschutz betreiben", meint Trucksäß. Den Weg zur Arbeit genießt der sportliche Betriebswirt mit dem Fahrrad, wenn er vier Kilometer über die Felder nach Möhringen radelt. Als Alternative benutzt der Streiter für die Umwelt den öffentlichen Nahverkehr, nur in Ausnahmefällen kommt das Auto zum Einsatz. "Es gibt so viele Kleinigkeiten. Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt marschieren", sagt der Musberger. Für ihn bedeutet ein umweltbewusstes Verhalten keinen Verzicht auf Lebensstandard. Die eigentliche Arbeit als Greenpeacer verlangt jedoch ein gehöriges Maß an Professionalität von dem Computerfreak. Nicht nur, dass er die Internet Seiten für die Umweltorganisation pflegt und Grafiken selbst am PC earbeitet. Früher stand der Aktivist oft an Infoständen, dann kamen Vorträge über Wald- und Klimaveränderungen dazu. Schlagworte sind Treibhauseffekt und Sommersmog. Meist jedoch betreibt der Vertreter der Stuttgarter Gruppe Lobbyarbeit. "Dafür muss ich fitter sein als für einen Vortrag, damit ich mich zum Beispiel mit Behördenvertretern über ein Thema kompetent unterhalten kann", betont er. Öfters steht heute das Kapitel "Clean Construction" auf der Tagesordnung. Dabei geht es um umweltfreundliche Baumaterialien. "Plantagenholz ist zum Beispiel in der Regel nicht umweltfreundlich", meint Trucksäß und PVC-Kabelummantelungen müssten auch nicht sein. Spektakuläre Aktionen, wie Besetzungen und das Hissen von Bannern, für die Greenpeace bekannt ist, müssen mit der Zentrale in Hamburg abgesprochen werden. Die zuständige Fachabteilung berät in jedem Fall das Vorgehen solcher Aktionen und die Rechtsabteilung weiß über juristische Angelegenheiten Bescheid. Trucksäß schätzt den Kontakt. "Wir arbeiten Hand in Hand", berichtet er. Das gebieten ihm schon die Regularien, die jeder Greenpeace-Mitarbeiter beachten muss. "Jeder schließt einen Vertrag mit Greenpeace Deutschland und bekommt den Auftrag, Infoarbeit zu leisten", berichtet das Stuttgarter Gruppenmitglied. Seit seinem Eintreten bei Greenpeace hat Trucksäss diesen Auftrag immer konsequent erfüllt, Zuerst als Fördermitglied, später als aktives Mitglied und jetzt als einer der vier aus der 40köpfigen Stuttgarter Gruppe, die den sogenannten Gruppenvertrag unterschrieben haben. Der verlangt zusätzliche Verantwortung und Verhaltensregeln. So dürfen nur lokale, keine bundesweiten Pressemeldungen herausgegeben werden. Obwohl ihm auch jetzt noch genügend Zeit für Freunde und Verwandte bleibt, könnte sich Trucksäß vorstellen, irgendwann bei Greenpeace auszusteigen. Dann hätte er mehr Zeit für das ruhende Hobby Fotografieren und für Gaia e.V., einer Mailbox mit lnformationen aus Umwelt und Sozialem. Der Mitbegründer betreut nebenher auch noch die etwa 500 "User" dieser Mailbox, die aus einem öffentlichen und nicht-öffentlichen Bereich besteht. "Doch vorerst mache ich weiter wie bisher" lacht Trucksäß.
Webmaster, Greenpeace-Gruppe Stuttgart - letzte Änderung: 15.08.2000 |